Bedingungsloses Grundeinkommen: 4 Gründe dagegen

Von Dominik Laur | 08.04.2019

Nachdem wir uns gestern in Teil 1 dieser Serie mit den positiven Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens beschäftigt haben, beleuchten wir heute mögliche negative Aspekte der Idee.

Das Hauptziel des bedingungslosen Grundeinkommens ist eine gerechte Gesellschaft zu erschaffen, in der sich alle Menschen frei entfalten können.

Diese Vision teilen wir zu 100%. Doch kann sie durch das bedingungslose Grundeinkommen verwirklicht werden?

Die folgenden 4 Schwächen des Konzeptes lassen uns daran zweifeln:

1. Lethargie und Passivität

Der Wunsch nach Ruhe und Entspannung ist natürlich in uns angelegt. Er hilft uns dabei, eine gesunde Balance zwischen Anstrengung und Regeneration einzuhalten und sichert so unser langfristiges Wohlbefinden.

Doch wie alle Tendenzen des menschlichen Geistes wird auch dieses Bedürfnis immer stärker, je stärker man sich ihm zuwendet. Das kann in eine Abwärtsspirale aus Lethargie und Passivität führen, die den Geist lähmt und unzufrieden macht.

Die Notwendigkeit seinen Lebensunterhalt zu erwirtschaften, ist ein wirksames Mittel, um sich vor dieser Abwärtsspirale zu schützen und aktiv zu bleiben.

2. Gesellschaftliche Spannungen

Wer in einer solchen Abwärtsspirale aus Lethargie und Passivität steckt, leidet zu aller erst selbst. Gleichzeitig ist man weniger und weniger in der Lage, durch seine Arbeitskraft zur Gesellschaft beizutragen.

Darin steckt das Potential für gesellschaftliche Spannungen. Denn viele Menschen fühlen sich ungerecht behandelt, wenn sie Leistungen erbringen, während andere hauptsächlich konsumieren.

Wird die Anzahl derer, die überwiegend empfangen zu groß, bedroht das die gesellschaftliche Einheit. Konflikte und Spannungen wären mögliche Folgen.

3. Fehlende Bedarfsgerechtigkeit

Das bedingungslose Grundeinkommen sieht vor, dass auch die reichsten Mitglieder der Gesellschaft von der Allgemeinheit unterstützt werden. Diese Ressourcen könnten sinnvoller genutzt werden, als sie an sowieso schon wohlhabende Personen auszuzahlen.

Gleichzeitig ist eine bedingungslose Zahlung vor dem Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit auch ethisch schwer zu rechtfertigen.

Hinzu kommt die Frage: Bedingungslos an wen? Nur an Staatsbürger? Wäre das dann noch ‚bedingungslos‘?

4. Umverteilung nach oben

Im jetzigen, auf Profitmaximierung ausgerichteten System würde der Spielraum zur Lohndrückerei durch Unternehmen vergrößert werden. Es ist anzunehmen, dass die Unternehmen diesen Spielraum auch nutzen würden, zumindest teilweise.

Damit bliebe die finanzielle Situation vieler Beschäftigter praktisch unverändert, während die Gewinne der Unternehmen durch eingesparte Lohnkosten steigen würden. Das entspräche einer Umverteilung von unten nach oben.

 

Es ist also keinesfalls gesichert, dass das bedingungslose Grundeinkommen auf individueller oder kollektiver Ebene zu mehr Wohlbefinden und Gerechtigkeit führt.

In Teil 3 dieser Serie stellen wir ein Konzept vor, dass versucht, die positiven Aspekte des bedingungslosen Grundeinkommens zu verwirklichen, während es die negativen Auswirkungen minimiert.

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(Foto: WikiCommons, Stefan Bohrer, CC BY-NC-SA 2.0)

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