Deutschland ist eine Familie – die Menschheit ist eine Familie

Von Tarak | 16.01.2019

Das neue Jahr begann mit einer Erhöhung des Mindestlohns auf 9,19 Euro pro Stunde.

Wir wissen, dass dies für viele Menschen bedeutet, weiter an der Armutsgrenze zu leben. Jeder Fünfte in unserer Gesellschaft ist von Armut bedroht. Dies umfasst die Geringverdiener*innen, die zwei Jobs haben und von Paycheck zu Paycheck leben. Sie werden von der Erhöhung des Mindestlohns überhaupt nicht profitieren.

Und wir wissen, dass ein guter Prozentsatz derjenigen, die mit Mindestlohn arbeiten, arbeitslos werden.

Aber was tun wir dagegen?

Es gibt weder eine Vermögenssteuer, noch eine sinnvolle Erbschaftssteuer. Aber stattdessen gibt es viele Möglichkeiten für die Reichen zu vermeiden, dass sie ihren fairen Anteil an unserem nationalen Gesellschaftsvermögen abgeben. So entziehen sich die Reichen, ihren gerechten Anteil zu zahlen, während unsere schwer arbeitenden armen Familien oft mehr bezahlen als ihren gerechten Anteil. Klingt das wie eine echte Gesellschaftsfamilie oder eine dysfunktionale Familie, in der die Mehrheit Aschenputtel sind, ohne Hoffnung auf einen Prinzen?

Unsere Politiker wissen, dass 45 Familien in unserem Land so viel Reichtum besitzen wie 50% der ärmsten Menschen des Landes.

Wenn diese Politiker dann den Mindestlohn so niedrig ansetzen, und keine angemessen Maßnahmen ergreifen, arme Arbeiterfamilien zu schützen, dann verwandeln sie unsere Gesellschaftsfamilie in eine dysfunktionale Familie.

Lasst uns innehalten und darüber nachdenken, was das bedeutet, dass 45 Familien mehr besitzen als Tausende und Abertausende von Familien.

Wenn wir das Herz haben, Deutschland als eine Gesellschaftsfamilie zu betrachten, was bedeutet das dann? Wenn das Jugendamt eine Familie entdeckt, in der ein einziges Kind ernährt und bekleidet wird und die anderen Kinder in völliger Vernachlässigung leben, was werden sie dann tun? Sie werden die Eltern dazu bringen, dieses Verhalten zu korrigieren. Oder sie anklagen.

Wenn jedoch unsere Politiker selbst der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit vorstehen, was ist die Folge? Wo bleibt die Gerechtigkeit?

Aber jetzt sollten wir aufhören, uns auf Politiker zu konzentrieren oder sogar auf diese 1% der Bevölkerung, die 1/3 unseres nationalen Familienvermögens horten.

Konzentrieren wir uns auf uns selbst. Die Realität ist, dass wir nicht jeden Menschen in unserer Heimat als unsere Familie betrachten. Ganz zu schweigen davon, die Tiere und Pflanzen sowie Flüsse und Berge als Teil unserer Familie zu betrachten.

Manchen Deutschen fällt es leicht, Flüchtlinge und Migranten geringzuschätzen. Aber selbst für die einheimischen armen Familien haben sie keinerlei Liebe. Und etliche arme Familien haben keinerlei Liebe für die Armen unter der Armutsgrenze, die auf der Straße leben. Soll das Heimatliebe sein? Ist es das, was mit „Mut zu Deutschland“ gemeint ist?

Die Realität ist, dass wir keine Familie sind. Auch in unseren Städten und Gemeinden sind wir keine Familie. Eine Familie zu sein bedeutet, einander zu lieben, sich umeinander zu kümmern und gemeinsam gegen alle Widerstände zu kämpfen. Wie können wir also unsere Familien in unseren Häusern, in unseren Städten und Gemeinden und in unserem Land vereinen?

Im Sanskrit ist das Wort für „Vereinigung“ Yoga. Yoga ist eine wissenschaftliche Praxis, den Geist von engen egoistischen Wünschen und Gefühlen wegzubewegen und ihn in der Unendlichkeit des Bewusstseins zu verschmelzen. Das ist eine Realität, die wir erleben können, wenn wir aufrichtig danach streben, ein ethisches und achtsames Leben zu führen.

Und unser Ziel sollte es sein, uns auf lokaler, bundesweiter und globaler Ebene als Familie zu verstehen.

Das Wörterbuch sagt uns, dass das Wort „Ökonomie“ aus den Worten „oikos“ für einen Familienhaushalt und „nomos“ für die Gesetze stammt. Wirtschaft ist also die Wissenschaft, den Staat und den nationalen Haushalt wie einen Familienhaushalt zu führen. Aber heute wird die Wirtschaft von den Verantwortlichen als Wissenschaft des Raubes und des Missbrauchs unserer Familienmitglieder für den persönlichen Profit benutzt.

Was müssen wir also tun? Wir müssen unsere Herzen für all unsere Mitmenschen in diesem schönen Land öffnen. Und wir müssen Verantwortung für ihre Hoffnungen, Talente und ihre ganzheitliche Entwicklung übernehmen.

Und das fängt bei dir und mir an, wenn wir uns jetzt hinsetzen, die Augen schließen und darüber nachdenken, wer wir sind. Und uns in unseren Herzen vereinen und dann auf die Straße gehen, um die Menschen zu sehen, die wir heute in unsere Liebe einbeziehen können.

Tarak ist ein Amerikanischer Buchautor und Journalist. Er ist auch ein Yogi, lebt in Indien und arbeitet dort ehrenamtlich an sozialen und gesellschaftspolitischen Projekten.

 

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