Von Dominik Laur | 10.04.2019

In Teil 1 und Teil 2 dieser Serie haben wir mögliche positive und negative Auswirkungen des bedingungslosen Grundeinkommens beleuchtet.

Im dritten und letzten Teil suchen wir nach einem Ansatz, das Grundeinkommen so zu gestalten, dass seine Vorteile erhalten bleiben, während die Nachteile minimiert werden.

Versuchen wir zunächst, die negativen Auswirkungen des bedingungslosen Grundeinkommens zu beseitigen. Hierzu müssen wir das Grundeinkommen so gestalten, dass es

  • wirksam gegen das Auftreten von Lethargie und Passivität schützt
  • anspornt, durch die eigene Arbeitskraft etwas zur Gesellschaft beizutragen
  • die Ressourcen der Gesellschaft möglichst effizient nutzt und gerecht verteilt
  • verhindert, dass die Unternehmen ihre Löhne senken und damit ihre Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit steigern.

 

Die ersten beiden Punkte können wir erfüllen, indem wir Anreize für ein aktives Leben schaffen und dazu anregen, das eigene Potential im Einklang mit dem gesellschaftlichen Wohlergehen zu entfalten.

Gleichzeitig sollten diese Anreize keine Existenzängste oder ungesunden Gefühle von Stress verursachen, die uns unglücklich machen und unsere Entwicklung lähmen.

Angst und Druck können wir begegnen, indem wir jeder Person die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse garantieren.

Konkret sollte die Gesellschaft einen angemessenen Wohnraum, gesunde Ernährung, ausreichend Kleidung, umfangreiche Bildungsmöglichkeiten und eine umfassende medizinische Versorgung garantieren. Bedingungslos, jedoch nicht unbedingt in Form von direkten Geldzahlungen.

Damit wäre die physische Existenz für alle Mitglieder der Gesellschaft gesichert und niemand müsste mit der Angst leben, unter das Existenzminimum zu fallen. Darüber hinaus wären die Grundvoraussetzungen für die Gesundheit geschaffen. Zusammen mit umfangreichen Bildungsmöglichkeiten würde ein solides Fundament entstehen, auf dem sich unsere Persönlichkeit frei entfalten kann.

Gleichzeitig könnten wir aus solch einer Position der Sicherheit mit Kraft und Energie zum gesellschaftlichen Wohlergehen beitragen.

 

Ein menschliches Anreizsystem schaffen

Damit haben wir eine Möglichkeit gefunden, jeden Menschen in die Lage zu versetzen, sich zu entfalten, ohne von Angst und Stress gelähmt zu werden.

Doch wie können wir verhindern, dass wir in dieser komfortablen Situation in Passivität verfallen und stattdessen das Beste für uns und die Gesellschaft daraus machen?

Indem wir alle Güter, die nicht Teil der Grundbedürfnisse sind, entsprechend des persönlichen Verdienstes verteilen. So würde jeder Zugang zu den Ressourcen erhalten, die er benötigt, um bestmöglich wirken zu können.

Ein Landarzt sollte beispielsweise in der Lage sein, sich ein schnelles und robustes Auto mit ausreichend Stauraum zu leisten, während ein städtischer Büroarbeiter vielleicht mehr Nutzen von einem Kleinwagen und Zugang zum öffentlichen Nahverkehr hätte. Erreichen könnten wir dies über eine angemessene Vergütung der jeweiligen Arbeitsleistung.

Auf diese Weise würden die gesellschaftlichen Ressourcen gerecht verteilt und ideal genutzt werden.

Dazu würde ein großer Anreiz für Unternehmen geschaffen, die Löhne nicht zu drücken, sondern uns mit allen notwendigen Ressourcen auszustatten, um unsere Talente und Fähigkeiten voll zu nutzen.

Damit hätten wir also ein System gefunden, dass die Vorzüge des bedingungslosen Grundeinkommens beibehält, während es die negativen Auswirkungen verringert.

 

Fazit

Wir sehen also, dass die schlichte Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens durch weitere Veränderungen des Wirtschaftssystems begleitet werden muss, um damit wirklich positiven Wandel anzustoßen.

Falls du wissen möchtest, wie ein solches Wirtschaftssystem aussehen könnte, kannst du in diesem Video mehr über die möglichen Grundlagen einer Gemeinwohlwirtschaft erfahren.

Zum Abschluss unserer dreiteiligen Serie wollen wir festhalten:

Das bedingungslose Grundeinkommen in Form von einfachen Geldleistungen hätte einige positive Effekte. Leider geht dieses Konzept auch mit grundlegenden Nachteilen einher.

Unter dem Strich ist daher keinesfalls sicher, dass wir das eigentliche Ziel – eine gerechte Gesellschaft, in der jeder sein Potential frei entfalten kann – durch ein solches Grundeinkommen auch erreichen können.

Doch mit einigen Anpassungen, wie der gezielten Bereitstellung von Grundbedürfnissen ergänzt durch ein Verdienst-basiertes Vergütungssystem, kann die Vision des Grundeinkommens zum Wohle aller verwirklicht werden.

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(Foto: Flickr, stanjourdan, CC BY-NC-SA 2.0)

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