19 buddhistische Mönche gehen 3.700 Kilometer für den Frieden – was bewirkt das?
19 buddhistische Mönche pilgern seit Ende Oktober 2025 von Fort Worth (Texas) zur US-Hauptstadt Washington, D.C. – zu Fuß, Tag für Tag, über eine Strecke von rund 3.700 Kilometern.
Warum tun sie das?
Der Initiator des Weges, Bhikkhu Pannakara, beschreibt den inneren Ausgangspunkt so:
„Der Grund, warum ich mich für diesen Friedensweg entschieden habe, ist folgender: Ich sehe so viel Leid um mich herum – schon allein in Fort Worth, Texas. Und auch weltweit, wenn ich für Katastrophenhilfe unterwegs bin. Nicht nur körperliches Leid, sondern vor allem seelisches Leid: Menschen mit allen Arten von Schmerzen und Belastungen. Das ließ mich hilflos werden. Ich wusste nicht, was ich tun soll – und wo ich anfangen soll.
Gleichzeitig hatte ich immer wieder diesen Gedanken: Ich muss etwas tun, um unsere Gemeinschaften, unsere Gesellschaft, unser Land und die Menschen in dieser Welt – ja alle Lebewesen – zu unterstützen. Wenn ich weiterhin nur im Tempel bleibe und einer kleinen Gemeinschaft diene, kann ich das, was ich übe, nicht zu vielen Menschen bringen.
Als ich meinen Lehrer fragte: Darf ich das tun?, sagte er: Ja – mach es.“
Diese Motivation wird von den Mönchen in einem einfachen Satz zusammengefasst:
„Wir gehen nicht, um zu protestieren, sondern um den Frieden in jedem von uns zu wecken.“
Was tun die Mönche unterwegs – ganz praktisch?
Die Friedens-Pilgerreise ist keine Demonstration im üblichen Sinn. Sie ist eine Form öffentlicher spiritueller Praxis. Die Mönche gehen in Achtsamkeit, oft in ruhiger Reihe, teils in Stille. An Haltepunkten kommen sie mit Menschen ins Gespräch, nehmen Begegnungen an, geben kurze Worte des Zuspruchs, Segensgesten oder laden zu Momenten gemeinsamer Stille ein.
An manchen Orten entstehen kleine Willkommens-Begegnungen, gemeinsames Schweigen oder Gebet – häufig mit Menschen, die sonst keinen Bezug zum Buddhismus haben. Nicht Überzeugung steht im Vordergrund, sondern Gegenwart.
Der Weg als gelebte Ethik
In dieser Friedens-Pilgerreise wird ein zentraler Gedanke des buddhistischen Weges sichtbar: Frieden beginnt im Geist und zeigt sich im Handeln.
Die Mönche praktizieren dabei besonders jene Aspekte des achtgliedrigen Pfades, die mit rechter Sichtweise und rechter Entschlossenheit verbunden sind – eine Haltung des Wohlwollens und eine klare Ausrichtung des Handelns.
Der Weg ist anstrengend. Es gab Verletzungen; ein Mönch musste nach einem Unfall ein Bein amputiert bekommen. Hinzu kommen Erschöpfung, Blasen, körperliche und psychische Belastungen eines langen Fußmarsches.
Viele der Mönche stammen aus asiatischen Ländern und sind wärmere Temperaturen gewohnt. Berichten zufolge wandern sie bei Tageswerten zwischen etwa −1 °C und 10 °C. Einige schlafen in Zelten, andere folgen strengen Praxisformen und ruhen nachts in sitzender Meditationshaltung, ohne zu liegen. Auch wird berichtet, dass einzelne zeitweise barfußgehen.
Entscheidend ist dabei nicht die äußere Härte, sondern die innere Richtung: nicht aufgeben, nicht verhärten, nicht gegen andere gehen – und dennoch weitergehen.
Was bewirkt diese Friedens-Pilgerreise?
Diese Friedens-Pilgerreise lenkt die Aufmerksamkeit vieler Menschen weg vom rein Materiellen – hin zu Güte, Mitgefühl, Einheit, Bewusstheit und dem Wunsch nach innerer Erfüllung.
Sie macht sichtbar, dass Leid nicht nur aus äußeren Umständen entsteht, sondern auch aus Unwissenheit, Angst und Gier – und dass es einen Weg gibt, dem etwas entgegenzusetzen: Vergebung statt Vergeltung, Güte statt Verbitterung, Klarheit statt Verwirrung und Dienstbereitschaft statt Rückzug.
Der Weg der Mönche ist ein sichtbares Beispiel dafür, dass Frieden als Haltung praktiziert werden kann – im Gehen, im Aushalten, im Dasein für andere. Er ermutigt Menschen, inneren Frieden zu finden und sich für den äußeren Frieden öffentlich einzusetzen.
Manche Menschen möchten eine solche Art von bewusstseinserweiternder, friedensfördernder Aktivität auch in ihrem eigenen Land praktizieren – auf ihre Weise, in ihrem Maß, mit ihren Mitteln.





