Ibrahim Traoré: Örtliche Selbständigkeit – und woran PROUT sie misst
Was ist Führung, die dem Wohl aller dient?
Nicht die lauteste.
Nicht die mit dem stärksten Feindbild.
Sondern die, die Ausbeutung beendet und den Menschen vor Ort die wirtschaftliche Macht zurückgibt.
In Burkina Faso versucht Capitaine Ibrahim Traoré seit dem Putsch vom 30. September 2022 genau das zu verkörpern.
Für viele in Afrika ist er ein Lichtblick: jung, in Uniform, gegen Françafrique, für Gold und Tomaten im eigenen Land.
Die Bilder sind stark und das Beispiel ermutigend.
P. R. Sarkar, der Begründer von PROUT, gibt uns Maßstäbe, um die Situation einzuordnen.
Würde statt Betteln
Traoré, geboren 1988, Geologe und Artillerieoffizier, stürzte im September 2022 den ersten Putschisten des Jahres, Paul-Henri Damiba.
Hauptbegründung: Damiba nähere sich zu sehr den Franzosen an und verrate ihre Werte.
Der Krieg gegen dschihadistische Gruppen gehe zudem verloren.
Was Traoré seither trägt, ist eine Sprache der Würde.
Wie kann Afrika, reich an Bodenschätzen, der hungrige Kontinent sein, während Präsidenten um die Welt reisen und betteln?
Solange es keine Ernährungssouveränität gebe, könne man von Unabhängigkeit nicht einmal sprechen.
Wer bettelt, bleibe unten.
Er sagt auch: Lieber sterben, als einen Herrn gegen den nächsten zu tauschen.
Das trifft einen Nerv, der älter ist als Traoré.
Thomas Sankara, ein Vorgänger Traorés, hatte ihn in den 1980ern schon benannt.
Diese Haltung trifft auch einen PROUT-Grundsatz, der älter ist als beide: Die Reichtümer der Welt gehören keiner Person, keiner Nation, keinem Staat.
Sie sind gemeinsames Erbe aller Menschen und aller Geschöpfe.
Wir dürfen sie nutzen, aber nicht ausbeuten.
Was vor Ort schon jetzt angegangen wird
Gold ist Burkina Fasos wichtigster Export.
Die Junta hat mit der staatlichen Gesellschaft SOPAMIB Minen übernommen, die zuvor bei ausländischen Konzernen lagen.
Eine eigene Raffinerie ist angekündigt. Der Betrieb verzögert sich.
Im Dezember 2024 weihte Traoré in Pognongo ein Tomatenwerk ein. Träger ist eine Genossenschaft.
Es gibt Traktorenprogramme, Bewässerungsprojekte, eine neue landwirtschaftliche Offensive.
Mit Mali und Niger hat Burkina Faso die Allianz der Sahelstaaten gebildet.
Traoré selbst macht die Lücke sichtbar, ohne Schonung. Handtuch, Zahnpasta, Tasse, Motorrad: fast alles importiert. „Wir produzieren hier nichts.“
Kämpfen gegen den Imperialismus sei gut. Sich selbst die Wahrheit sagen aber auch: Wer das Gehirn nicht benutzt, das Gott gegeben hat, stellt sich gegen Gott.
Wenigstens kopieren, verstehen, selbst herstellen.
PROUT würde an dieser Stelle zustimmen.
Sarkar schreibt dazu: keine Rohstoffe exportieren, sondern Fertigwaren.
Industrie dort aufbauen, wo die Rohstoffe sind. Produktion sollte für den Verbrauch sein, nicht für den Profit.
Geld soll im Land bleiben und der Bevölkerung nutzen, nicht abfließen.
Ein Land, das Goldgruben hat und Lampen importiert, ist wirtschaftlich unterentwickelt.
Das gilt für Gold in Burkina Faso ebenso wie für Uran im Niger .
Der PROUT-Maßstab
PROUT misst gute Führung an Ethik, spiritueller Reife und praktischen Fähigkeiten.
Nach PROUT kann es auch angemessen sein, physische Kraft anzuwenden, um Ausbeutung zu beenden.
In Burkino Faso richtete sich ein militärischer Umsturz gegen ein System, das Rohstoffe abführt und die eigene Bevölkerung hungern lässt.
Das mag redlich in seiner Absicht gewesen sein. Auch jetzt noch sehen die Entwicklungen im Land hoffnungserweckend aus, trotz großer innerer und äußerer Herausforderungen.
Doch auch die neue militärische Führung kann ethisch verfallen und korrupt werden.
Nach PROUT ist die Aufgabe von ethischen und spirituell ausgerichteten Menschen, einen Machtwechsel herbeizuführen, bevor das geschieht.
Wenn der Staat oder die Armee an die Stelle der Konzerne tritt, kann das außerdem zu einer Art Staatskapitalismus führen.
Wirklich proutistisch wäre die Wirtschaft, wenn örtliche Genossenschaften, geführt von Moralisten, die wirtschaftliche Kontrolle über die meisten Industrien halten.
Die Tomatengenossenschaft scheint bisher noch eher eine Ausnahme zu sein.
Große Schlüsselindustrien sollten soweit es geht in öffentlicher, und auch örtlicher Verwaltung liegen.
Die Industrien für Gold und Baumwolle scheinen hingegen zur Zeit noch zentralstaatlich gelenkt zu werden.
Das kann übergangsweise angebracht sein, zumal gerade Gold eine wesentliche Rolle für den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes spielt.
Langfristig allerdings wäre eine Dezentralisierung auch dieser Industrien eher im Sinne von PROUT.
Auch aufgrund des Krieges mit dschihadistischen Gruppen in weiten Teilen des Landes ist die Mindestversorgung noch nicht flächendeckend gesichert.
Hundertausende, vielleicht Millionen von Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben, ein Drittel der Bevölkerung lebt noch immer in extremer Armut.
Gleichzeitig ist der Anteil an Menschen in extremer Armut im Vergleich zu letztem Jahr um 5% gesunken.
Sinkende Lebensmittelpreise, etwa von Getreide, und wirtschaftliches Wachstum im Land führten zu einer echten Steigerung der Kaufkraft der Bevölkerung.
Ein wertvoller Anfang
Traoré stellt eine wichtige Frage: Warum sind die Burkinabés reich an Rohstoffen und arm an Würde?
Er gibt in Burkina Faso an vielen Stellen die richtige Richtung an.
Nicht betteln, nicht unnötig importieren, sondern selbst herstellen.
Im Sinne PROUTs ist das ein wertvoller Anfang.
Eine weitergehende Verwirklichung PROUTs wäre: wirtschaftliche Macht bei den Menschen vor Ort.
Und eine ethische und spirituell ausgerichtete Führung, die eine neue Ausbeutung im Keim erstickt, bevor sie sich festsetzen kann.
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