Mombasa in den frühen Achtzigerjahren: Die Ordensschwester Lea Ackermann arbeitet dort als Lehrerin und sieht, wie Touristen die Armut von Frauen ausnutzen.
Geld hat sie keines. Sie bittet Freunde in Deutschland um Spenden und besorgt eine Nähmaschine.
Gemeinsam backen die Frauen Körnerbrot für Hotels. So verdienen sie eigenes Geld.
1985 gründet sie in Kenia SOLWODI, 1987 folgt SOLWODI in Deutschland. Sie stirbt 2023.
Heute, am Europäischen Tag gegen Menschenhandel, schauen wir nach Deutschland.
Das Bundeskriminalamt zählte 2025 so viele Verfahren wegen sexueller Ausbeutung wie seit zehn Jahren nicht: 391, mit 574 Opfern, fast alle Frauen. Die größte Gruppe hatte einen deutschen Pass, danach folgten Kolumbien, Rumänien und China.
Oft beginnt es mit einer Lüge: einer Stelle im Hotel oder einem Mann, der Liebe vorspielt, bis die Frau von ihm abhängig ist.
Dann drängt er sie in die Prostitution und nimmt ihr das Geld ab. Immer öfter geschieht das in gewöhnlichen Wohnungen.
Die meisten Fälle kommen erst durch Kontrollen ans Licht.
Das BKA rechnet mit einem erheblichen Dunkelfeld.
Menschenhandel lebt von Armut. Frauen ohne eigenes Einkommen sind leichter zu täuschen und festzuhalten.
Shri P. R. Sarkar sagt:
„Weil Frauen in ihren sozialen Rechten Unrecht erfahren und weil sie wirtschaftlich gelähmt sind, wird ein Teil der Frauen in die Prostitution gezwungen. Es gibt viele Ursachen für dieses Gewerbe, doch dies sind die zwei wichtigsten.“
Wenn jede Frau ein eigenes Einkommen hat und Nahrung, Wohnung, Bildung und medizinische Versorgung für alle gesichert sind, verlieren Händler ihre Macht.
Hilfe gibt es bei SOLWODI und bei den 43 Fachberatungsstellen im KOK, dem Bundesweiten Koordinierungskreis gegen Menschenhandel, darunter IN VIA.
Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr erreichbar: 116 016, kostenlos und anonym.
Lea Ackermann fing mit einer Nähmaschine an. Heute begleitet SOLWODI jedes Jahr mehr als 2.000 Frauen und ihre Kinder.
Lea Ackermann, Gründerin von SOLWODI. Foto: Superbass, via Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0
Dieser Beitrag erschien zuerst im TAGESLICHT Magazin: Kein Mensch ist Ware: Menschenhandel mitten in Deutschland






