Von Dominik Laur | 18.04.2019

Die Türen der Berliner U-Bahn schließen sich bereits, als in der letzter Sekunde ein junger Erwachsener gekonnt durch den verbleibenden Spalt in den Waggon hüpft.

„Hallo liebe Fahrgäste” verkündet er mit freundlicher Stimme „ich hoffe, sie haben an diesem wunderbar sonnigen Tag eine gute Zeit. Mein Name ist Lenni und ich will gar nicht lange herumreden. Ich verdiene auf diese Weise meinen Lebensunterhalt.”

Lenni ist einer der bis zu 10.000 Obdachlosen, die alleine in Berlin jeden Tag um ihre nackte Existenz ringen. Damit leidet er besonders unter der Wohnungsnot in Berlin, wo 310.000 bezahlbare Wohnungen fehlen. Bundesweit sind es fast 2 Millionen.

Lenni schlägt sich tapfer, schafft es eine positive Miene aufzusetzen. Doch sein Äusseres zeugt von seinen Strapazen. Sein blasses, hageres Gesicht mit tiefen Augenringen ist vielleicht nur eine Folge von Schlafmangel. Vielleicht hat er ein Drogenproblem. 

Wer könnte es ihm verübeln? 

Als ich ihn anspreche und frage, wie es im gelingt, so positiv zu bleiben, lenkt er meine Aufmerksamkeit auf eine Wunde an seinem Finger. Seine heitere Miene verdunkelt sich schlagartig.

„Heute gab’s ‘nen Dämpfer. Die hier ist entzündet. Ich werd’ aber nicht behandelt. Weil es nicht lebensgefährlich ist. Die haben mich wieder weggeschickt.”

Verschwendetes Potential

Ich begegne Lenni nicht zum ersten Mal. Wir unterhielten uns bereits  vor ein paar Wochen in der U Bahn. Ob er sich an mich erinnert, weiss ich nicht. Damals sagte er mir:

„Ich versuche meine Gedanken positiv zu halten. Das hat ‘nen großen Einfluss. Ich hab mich mal mit der Psyche und sowas beschäftigt.”

Damit hat er recht. Gedanken haben einen großen Einfluss. Und gute Lebensgrundlagen fördern positive Gedanken. Lennis Schicksal verdeutlicht, was wir Menschen antun, wenn wir ihnen die Grundlagen zu einer gesunden Lebensführung vorenthalten.

Wären seine materiellen Grundbedürfnisse gesichert, könnte er seiner Wissbegier nachgehen und Fähigkeiten entwickeln, mit denen er dann wiederum zur Gesellschaft beitragen könnte. Stattdessen kämpft er tagtäglich mit elementaren Dingen, wie leicht zu behandelnden Verletzungen und der Beschaffung eines sicheren Schlafplatzes.

Ungleich reich

Wollen wir wirklich Menschen wie Lenni ihrem eigenen Schicksal überlassen? Wollen wir sie so leiden lassen und uns als Gesellschaft somit selber schaden?

Jedem Menschen steht die Erfüllung seiner materiellen Grundbedürfnisse zu. Deshalb ist Wohnraum ein Grundrecht.

Ein reiches Land wie Deutschland wäre in der Lage, allen Menschen dieses Grundrecht zu gewährleisten. Was es dazu bräuchte, wäre eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes. Doch eine gerechte Vermögensverteilung wird politisch nicht verwirklicht.

Politische Entscheidungen der letzten 40 Jahre haben maßgeblich dazu geführt, dass die Ungleichheit zwischen arm und reich ständig zunimmt.

Diese Politik können wir durch gerechte Steuern und eine bedingungslos garantierte Grundversorgung umkehren.

Dafür treten wir bei der Europawahl 2019 an. Denn eine gerechte Vermögensverteilung umzusetzen, ist für uns der rationale Weg zum Wohlbefinden aller Mitglieder unserer Gesellschaft.

So können wir Lenni und den vielen anderen Obdachlosen in Deutschland helfen und eine fortschrittlichere Gesellschaft erschaffen.

Mehr dazu in unserem Wahlprogramm.

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